von EDUARD ARNOLD
in Vernissage 212 / 2002 März / 21 Jahrgang
Gerade
in der letzten Zeit wurden wir des öfteren durch die Politik belehrt, daß
das was am Vortag noch „Richtung", am nächsten Tag bestenfalls eine
Sackgasse war. Die von den jeweiligen Politikern, die diese Richtung vorgaben,
natürlich nicht gegangen wurde. So ist auch im Wahlplakat (und das ist sicherlich
überparteilich) kaum eine Wahrheit enthalten, die eine ganze Legislaturperiode
anhält, denn meistens werden die Karten nach der Wahl "neu gemischt"
und die Wahlplakate dem Altpapier übergeben, wobei diese überaus nützliche
Verwendung, sie durch die Wiederverwertung (soweit die Parteien Umweltpapier für
ihre Wahlversprechungen nehmen) wieder vor der nächsten Wahl zu dem machen, was
wir leidgeprüftes Wahlvolk, schon regelmäßig erlebten: unschuldiges Papier
wird für Ausreden, Beschuldigungen und Versprechungen überall präsentiert,
um unser Wahlverhalten nachhaltigst zu beeinflussen
Bei der
aktuelle Ausstellung in der Galerie am Tulbinger Kogel, erfährt das Wahlplakat
zumindest eine künstlerische Aufwertung, in dem verschiedene Künstler, damit
einen Mal- bzw. Arbeitsgrund haben.
Bei Alfred
Biber erfahren die Plakate eine für ihn typische Überarbeitung, fast nichts
bleibt mehr vom Untergrund sichtbar. Biber will die politischen Inhalte der
Plakate nicht verändern, er negiert sie und übermalt sie.
Gleichfalls
aktionistisch übermalt sind die Arbeiten von Isabella Ritschl, denen man
bestenfalls hier und dort an einer Ecke zumindest den Urheber des Plakates entnehmen
kann.
Ganz anders
Eugen Plan, der die Plakatinhalte zeichnerisch erweitert, ihnen eine satirische
Bedeutung gibt.
Auch Gerhard
Gepp, gibt den politischen Inhalten durch sein Hineinarbeiten eine Bedeutung
im Gepp'schen Sinne. Gepp verwendet das politische Plakat als Stichwortgeber
und wie wir es von Gerhard Gepp aus vielen seiner satirischen Arbeiten gewohnt
sind, entsteht ein Gepp, der wie immer ins Schwarze oder auch ins Rote trifft.
Franz Rauscher collagiert sein Wahlplakat und verändert damit die ursprüngliche Bedeutung. In der Ausstellung sind neben den erwähnten Künstlern noch Arbeiten von Oskar Höfinger, Richard Jurtitsch, Ingehorg Kerschbaumer-Palacz, Renate Krammer, Brigitte Lang, Edith Lechner, Martina Schettina, Veit Schiffmann, Franz Wieser und Michael Wittmann zu sehen.
Die Beschäftigung
mit Wahlplakaten in variabler künstlerischer Form ist sicherlich eine
exzellente Wiederverwertung dieses Mediums
Allerdings
ist diese Aufarbeitung eine ganz andere, als die im Wahlkampf überkritzelten
Plakate, die durch ihre Spontanität einen zwar nicht immer künstlerischen aber
oft einen sehr humorvollen satirischen Inhalt haben. Viel direkter gehl man hier
zur Sache. Dies darf man sich nicht von der Ausstellung am Tulbinger Kogel
erwarten, hier wird nicht Grafitikunst präsentiert, die vor Ort an Plakatwänden
entsteht, sondern wie der Titel sagt, das Wahlplakat wird als Malgrund genommen,
indem sich die Künstler größtenteils in ihrem typischen Mal- oder
Zeichenduktus dem Thema nähern.
Weder
die Grafitis an den Plakatwänden noch die künstlerische Beschäftigung mit dem
politischen Plakat werden Veränderungen in der politischen Landschaft bewirken.
Doch eines ist sicher: es regt zum Denken an, zum Schmunzeln und wie man sieht
entsteht etwas, mit dem Politiker oft ganz schwer umgehen können: Kunst! Eine
Aussage steht sicherlich im Raum: Die politischen Wahlsager werden durch künstlerische
Aussage verändert – ein Anfang ist gemacht.